Gitarre stimmen: Schritt für Schritt, mit und ohne Stimmgerät
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Auf einer verstimmten Gitarre klingt selbst ein sauber gegriffener Akkord falsch. Die gute Nachricht: Stimmen dauert ein paar Minuten, und es geht auch ohne Stimmgerät. Dieser Leitfaden erklärt die Töne der Standardstimmung, das Stimmen mit Stimmgerät und nach Gehör, alternative Stimmungen wie Drop D, warum sich die Gitarre verstimmt und worauf du auf der Bühne achten solltest.
Standardstimmung: E A D G H E
Die sechs Saiten werden von der tiefsten zur höchsten auf E, A, D, G, H und E gestimmt. Gezählt wird von der dünnsten Saite aus: Die hohe E-Saite ist die 1., die tiefe E-Saite die 6.
| Saite | Auf dem Stimmgerät | Ton | Frequenz |
|---|---|---|---|
| 6 (tiefste) | E2 | Tiefes E | 82,41 Hz |
| 5 | A2 | A | 110,00 Hz |
| 4 | D3 | D | 146,83 Hz |
| 3 | G3 | G | 196,00 Hz |
| 2 | B3 | H | 246,94 Hz |
| 1 (höchste) | E4 | Hohes E | 329,63 Hz |
Die beiden E-Saiten sind derselbe Ton im Abstand von zwei Oktaven. Das ist eine praktische Schlusskontrolle: Zusammen gespielt sollten die 1. und die 6. Saite sauber klingen.
Bevor du anfängst: zu tief, zu hoch und die Mechanik
Klingt eine Saite tiefer, als sie soll, ist sie zu tief; klingt sie höher, ist sie zu hoch. Spannen hebt den Ton, Lockern senkt ihn. Wenn du nicht sicher bist, in welche Richtung du drehst, zupf die Saite weiter, während du die Mechanik langsam drehst — steigt der Ton, spannst du.
Stimmgeräte zeigen die Abweichung in Cent: Ein Halbton hat 100 Cent. Steht die Nadel in der Mitte und ist die Abweichung auf wenige Cent geschrumpft, ist die Saite gestimmt.
Nähere dich dem Zielton immer von unten. Ist eine Saite zu hoch, lockere sie zuerst etwas unter den Ton und spanne sie dann hinauf. So setzt sich das Getriebe der Mechanik, und die Saite rutscht beim Spielen nicht nach.
Mit Stimmgerät, Schritt für Schritt
- Such dir wenn möglich einen ruhigen Ort. Das Handy hältst du nah an den Korpus; ein Clip-Stimmgerät steckst du an die Kopfplatte.
- Beginne mit der 6. Saite, dem tiefen E. Schlag sie leer an — ohne einen Bund zu greifen — einmal, mit normaler Kraft, und lass sie klingen.
- Zeigt die Nadel zu tief, spannst du die Mechanik; zeigt sie zu hoch, lockerst du erst etwas und spannst dann bis zur Mitte.
- Bleibt die Nadel in der Mitte, geht es zur nächsten Saite: 5 (A), 4 (D), 3 (G), 2 (H), 1 (hohes E).
- Nach der letzten Saite prüfst du alle noch einmal. Das Spannen biegt den Hals leicht, und die zuerst gestimmten Saiten können wandern — besonders bei neuen Saiten oder nach einem großen Stimmungswechsel.
| Art | Was es hört | Am besten für |
|---|---|---|
| Handy-App | Den Klang in der Luft, über das Mikrofon | Ruhiger Raum, zu Hause, Backstage |
| Clip-Stimmgerät | Die Schwingung der Kopfplatte | Laute Umgebungen, Akustikgitarren |
| Pedal-Stimmgerät | Das Signal im Kabel | E- und Elektroakustikgitarren, die Bühne |
| Stimmgabel | Dein Gehör, an einem Referenzton | Ohne Gerät, Konzertgitarre |
Ein harter Anschlag klingt für einen Moment zu hoch. Lies den Wert nicht beim Anschlag ab, sondern einen Augenblick später, wenn der Ton steht.
Ohne Stimmgerät: die 5.-Bund-Methode
Ohne Stimmgerät kannst du die Gitarre trotzdem in sich stimmen. Das Prinzip ist einfach: Der 5. Bund jeder Saite ergibt denselben Ton wie die nächstdünnere Saite leer gespielt. Die einzige Ausnahme ist die 3. Saite, dort nimmst du den 4. Bund.
- Nimm die 6. Saite als Bezug. Wenn du nicht sicher bist, ob sie stimmt, gleiche sie zuerst mit einer Referenz ab (siehe Hinweis unten).
- Greif die 6. Saite im 5. Bund und schlag sie an: Das ist A. Bring die leere 5. Saite auf denselben Ton.
- Die 5. Saite im 5. Bund ist D: Gleiche die leere 4. Saite daran an.
- Die 4. Saite im 5. Bund ist G: Gleiche die leere 3. Saite daran an.
- Die Ausnahme: Die 3. Saite im 4. Bund ist H: Gleiche die leere 2. Saite daran an.
- Die 2. Saite im 5. Bund ist E: Gleiche die leere 1. Saite daran an.
Liegen zwei Töne nah beieinander, hörst du zusammen gespielt eine Schwebung. Beim Drehen wird sie langsamer; verschwindet sie, sind die Töne gleich. Jeder Schritt trägt seinen kleinen Fehler in den nächsten, also spiel zum Schluss die 1. und die 6. Saite zusammen.
Diese Methode stimmt die Gitarre in sich, nicht mit anderen Instrumenten. Spielst du mit anderen, nimm den Startton von einer Referenz: das E eines Klaviers, eine gestimmte zweite Gitarre oder eine Stimmgabel mit 440 Hz. Mit der Stimmgabel geht es am einfachsten über das Flageolett im 5. Bund der 5. Saite (Saite nur leicht berühren, nicht herunterdrücken): Es klingt genau 440 Hz. Stimm die 5. Saite, bis sie mit der Gabel übereinstimmt, und bring dann die 6. Saite so dazu, dass ihr 5. Bund wie die leere 5. Saite klingt.
Konzert-, Western-, E- und Bassgitarre
- Konzertgitarre (Nylonsaiten). Gleiche Stimmung: E A D G H E. Neue Nylonsaiten dehnen sich tagelang und werden immer wieder zu tief; häufiges Nachstimmen in den ersten Tagen ist normal.
- Westerngitarre (Stahlsaiten). Am empfindlichsten bei Temperatur- und Feuchtigkeitswechseln. Kommst du aus einem kalten Auto in einen warmen Raum, lass die Gitarre eine Weile im Koffer, bevor du stimmst.
- E-Gitarre. Ein Stimmgerät am Kabel liefert die sauberste Anzeige. Stimmen die Leersaiten, aber die Töne im 12. Bund nicht, liegt es nicht an der Stimmung, sondern an der Oktavreinheit: Die Saitenlänge am Steg muss eingestellt werden.
- Floyd Rose und andere schwebende Tremolos. Der Steg hält die Saitenspannung gegen Federn im Gleichgewicht: Spannst du eine Saite, zieht sie den Steg und die anderen werden lockerer. Rechne mit mehreren Durchgängen; bei Modellen mit Klemmsattel klemmst du zuerst den Sattel und stimmst mit den Feinstimmern am Steg fertig.
- Bassgitarre. Ein Viersaiter wird auf dieselben Töne wie die vier tiefsten Gitarrensaiten gestimmt (E A D G), eine Oktave tiefer; ein Fünfsaiter ergänzt ein tiefes H. Die Methode ist dieselbe.
Alternative Stimmungen: Drop D, Halbton tiefer und offene Stimmungen
Manche Songs verlangen eine andere Stimmung. Die häufigsten:
| Stimmung | Saiten (6 → 1) | Was sich ändert |
|---|---|---|
| Standard | E A D G H E | Der Ausgangspunkt |
| Halbton tiefer (Es) | Es As Des Ges B Es | Jede Saite sinkt um einen Halbton; die Griffe bleiben gleich, der Klang sinkt um einen Halbton |
| Drop D | D A D G H E | Nur die 6. Saite sinkt um einen Ganzton; Powerchords auf den tiefen Saiten mit einem Finger |
| DADGAD | D A D G A D | Die 6., 2. und 1. Saite sinken um einen Ganzton; keltische Musik und akustisches Fingerpicking |
| Open G | D G D G H D | Die 6., 5. und 1. Saite sinken um einen Ganzton; die Leersaiten ergeben G-Dur, für Slide und Blues |
Am schnellsten kommst du nach Gehör in Drop D: Senke die 6. Saite, während du sie zusammen mit der leeren 4. Saite spielst. Sind beide dasselbe D im Oktavabstand, verschwindet die Schwebung. Zur Kontrolle: Die 6. Saite im 7. Bund sollte dasselbe A ergeben wie die leere 5. Saite.
Halbton tiefer ist ein Weg, einen Song einen Halbton tiefer zu spielen: Deine Finger greifen dieselben Formen, der Klang sinkt. Willst du ohne Umstimmen in dieselbe Tonart, kannst du die Akkorde transponieren — dann ändern sich stattdessen die Griffe.
Stell Songs mit anderer Stimmung in der Setlist nebeneinander; Umstimmen ist die längste Pause auf der Bühne. Mehr dazu im Setlist-Leitfaden.
Warum verstimmt sich die Gitarre?
- Neue Saiten. Sie dehnen sich in den ersten Tagen. Zieh nach dem Aufziehen jede Saite sanft vom Griffbrett weg, stimm nach und wiederhole das ein paar Mal; die Saite setzt sich so viel schneller.
- Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Saiten und Holz reagieren beide auf Veränderungen. Unter Bühnenlicht prüfst du die Stimmung nach den ersten Songs noch einmal.
- Saite rutscht an der Mechanik. Ohne ein paar Wicklungen um die Achse der Mechanik rutscht eine Saite unter Spannung. Lass beim Saitenwechsel genug Wicklungen auf der Achse.
- Saite klemmt im Sattel. Springt der Ton beim Drehen mit einem „Ping“, hängt die Saite in ihrer Kerbe im Sattel oben am Hals fest. Etwas Bleistiftgraphit in der Kerbe hilft der Saite zu gleiten.
- Kapodaster. Ein Kapo zieht die Saiten leicht und kann sie zu hoch machen. Prüf die Stimmung, nachdem der Kapo sitzt; mehr in der Capo-Tabelle.
Stimmen auf der Bühne und in der Probe
- Stimm direkt vor dem Auftritt, wenn sich die Gitarre an den Raum gewöhnt hat.
- Prüf zwischen den Songs kurz nach. 20–30 Sekunden pro Wechsel in der Setlist schaffen Platz dafür.
- Auf einer lauten Bühne hört das Handymikrofon auch die anderen Instrumente. Dort ist ein Clip- oder Pedal-Stimmgerät verlässlicher.
- Die meisten Pedal-Stimmgeräte schalten dein Signal beim Stimmen stumm; Handy und Clip tun das nicht. Soll das Publikum das Stimmen nicht hören, dreh deine Lautstärke herunter.
- Alle in der Band sollten dieselbe Referenz nutzen, meist A = 440 Hz. Ist jemandes Stimmgerät auf 442 Hz eingestellt, reibt sich jeder Akkord ein wenig.
Das Stimmgerät in Songlivo
In Songlivo steckt ein geführtes Stimmgerät. Es ist auch in der Gratisversion verfügbar, zeigt keine Werbung und braucht kein Internet: Der Klang wird auf dem Handy verarbeitet und nirgendwohin geschickt.
- Wähle dein Instrument unter Einstellungen → Instrument: Gitarre, Bassgitarre (4 oder 5 Saiten), Ukulele, Mandoline oder Banjo. Saitenzahl und Töne übernimmt das Stimmgerät von dort.
- Öffne Einstellungen → Werkzeuge → Stimmgerät, tippe auf Start und erlaube den Mikrofonzugriff.
- Beginnend mit der tiefsten Saite sagt dir der Bildschirm, welche Saite du spielen sollst: „Saite 6 anschlagen“. Schlag sie an und dreh die Mechanik nach der Anzeige: „Spannen — zu tief“ oder „Lockern — zu hoch“.
- Bleibt die Saite kurz innerhalb von ±10 Cent, zeigt der Bildschirm „Gestimmt“, das Handy vibriert und spielt einen kurzen Piepton, und das Stimmgerät springt von selbst zur nächsten Saite. Am Ende steht dort „Alle Saiten gestimmt“.
- Um eine bestimmte Saite nachzustimmen, tippst du auf ihren Knopf auf dem Bildschirm; um von vorn zu beginnen, auf das Aktualisieren-Symbol oben („Neu beginnen“).
Das Stimmgerät arbeitet in Standardstimmung mit A = 440 Hz als Referenz. Für Drop D, Halbton tiefer oder offene Stimmungen gibt es kein Ziel; nimm dafür die Gehörmethode von oben.
Halt das Handy nah an den Korpus; in einem ruhigen Raum ist die Anzeige am verlässlichsten. Auf einer lauten Bühne macht ein Clip- oder Pedal-Stimmgerät den Job besser.
Songlivo speichert Lieder und Setlists auf dem Gerät, hält im Bühnenmodus den Bildschirm wach und synchronisiert die Band über WLAN oder Bluetooth; Stimmgerät und Metronom stecken in derselben App. Die übrige Einrichtung steht in der Anleitung.